Ich, die Einwanderin

[This is the German version of my earlier post “I, the Immigrant”, which was published in the newspaper Weser Kurier on August 26, 2016.]

Im Jahr 2014 habe ich in Oldenburg eine Konferenz besucht, auf der eine Künstlerin ihr Projekt Artivism (Art+Activism) präsentiert hat. Sie schenkte allen Teilnehmenden kleine, selbstgefertigte blau-braune Schleifen, die die Unterstützung von Immigranten symbolisieren. Stolz habe ich die Schleife an meine Jacke geheftet: natürlich unterstütze ich Immigranten! Dann habe ich die Schleife vergessen.

Viele Monate später fiel mir die Schleife, die immer noch an ihrem Platz war, wieder auf. Plötzlich dämmerte mir etwas, über das ich vorher nie nachgedacht hatte: ich bin eine Immigrantin! Die Schleife ist für mich! Ich bin eine derjenigen, die unterstützt werden können, ein Fall, für den man eine Schleife trägt!

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I, the immigrant

By Joanna Chojnicka

In November 2014, I went to a conference on resistance organized by the Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. As part of the evening program, Tania Bruguera, a Cuban artist, gave a presentation about “Artivism” – a combination of art and activism. She gave us all small gifts – blue and brown ribbons that she created to represent support for immigrants. Proudly, I pinned by ribbon to my jacket and instantly felt good about myself: of course I support immigrants! I promised to myself that I will donate some money to one of Tania’s artivist projects.

Many months later, I looked at the ribbon still pinned to my jacket and a sudden realization came over me. It was something I had never considered before, something that had never crossed my mind. I am an immigrant. The ribbon is also for me! I am one of the people you can “support” – one of the “causes” you can wear a ribbon for!

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Gar nicht so normal

By Norman Laws

Ideen als alternativlos und objektiv darzustellen, ist nicht neu. So ist von Margaret Thatcher das Diktum „There is no alternative“ überliefert. Gerade Parteien stellen kaum den Wettstreit der Ideen in den Vordergrund, sondern die angebliche Richtigkeit der von ihnen propagierten Lösungsansätze. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es überhaupt etwas gibt, das richtig oder wirklich alternativlos wäre. In der Wissenschaft verneinen sozialkonstruktivistische Ansätze solche Ansichten. Schon Kant wies darauf hin, dass das Wissen über die Welt immer subjektiv ist. Stattdessen wird davor gewarnt, die Charakterisierung von Sachverhalten als normal und notwendig unkritisch hinzunehmen. Dabei sind Wahrheits- und Alternativlosigkeitsbehauptungen immer an die vorherrschenden sozio-ökonomischen Strukturen gebunden und gehen von ihnen aus. Das, was als „normal“ dargestellt wird, dient bestimmten Interessen. Und das, was als „normal“ nicht hinterfragt wird, stützt existierende Strukturen.

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