Ich, die Einwanderin

[This is the German version of my earlier post “I, the Immigrant”, which was published in the newspaper Weser Kurier on August 26, 2016.]

Im Jahr 2014 habe ich in Oldenburg eine Konferenz besucht, auf der eine Künstlerin ihr Projekt Artivism (Art+Activism) präsentiert hat. Sie schenkte allen Teilnehmenden kleine, selbstgefertigte blau-braune Schleifen, die die Unterstützung von Immigranten symbolisieren. Stolz habe ich die Schleife an meine Jacke geheftet: natürlich unterstütze ich Immigranten! Dann habe ich die Schleife vergessen.

Viele Monate später fiel mir die Schleife, die immer noch an ihrem Platz war, wieder auf. Plötzlich dämmerte mir etwas, über das ich vorher nie nachgedacht hatte: ich bin eine Immigrantin! Die Schleife ist für mich! Ich bin eine derjenigen, die unterstützt werden können, ein Fall, für den man eine Schleife trägt!

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Ausstieg ohne Abstieg

Vom Ende des Lebens als Fan

Von Norman Laws

Die Erinnerung an den Tag, der so vieles verändern sollte, ist nicht ansatzweise verblasst. Es war der 01. Juni 1991. Es war Stadtderby. Hamburger SV gegen den FC St. Pauli. Und die Frage war, ob ich mitkommen wolle. Mein Vater und Kollegen aus seiner Fußballmannschaft hatten Eintrittskarten für das Spiel. Nun ja, Fußball spielte in meinem Leben schon immer eine gewisse Rolle. Als kleines Kind wurde ich ganz selbstverständlich auf den Fußballplatz mitgenommen, wenn mein Vater gegen Ball oder Gegner trat. Wenn er damit fertig und beim Duschen war, freute ich mich immer besonders, wusste ich doch, dass der Platzwart von Holstein Quickborn mich mit Nussschokolade in ausreichendem Maße versorgen würde. Das war aber eigentlich bis dahin mein wirklicher Fußball-Höhepunkt gewesen. Ansonsten schenkte ich als Kind Spielen von Bundesligavereinen oder der Nationalmannschaft keine Aufmerksamkeit. Insofern erschien mir die Möglichkeit, das Spiel HSV vs. St. Pauli zu besuchen zwar als interessant, aber auch nicht als besonders spektakulär. Trotzdem ging ich mit.

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I, the immigrant

By Joanna Chojnicka

In November 2014, I went to a conference on resistance organized by the Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. As part of the evening program, Tania Bruguera, a Cuban artist, gave a presentation about “Artivism” – a combination of art and activism. She gave us all small gifts – blue and brown ribbons that she created to represent support for immigrants. Proudly, I pinned by ribbon to my jacket and instantly felt good about myself: of course I support immigrants! I promised to myself that I will donate some money to one of Tania’s artivist projects.

Many months later, I looked at the ribbon still pinned to my jacket and a sudden realization came over me. It was something I had never considered before, something that had never crossed my mind. I am an immigrant. The ribbon is also for me! I am one of the people you can “support” – one of the “causes” you can wear a ribbon for!

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